Willkommen Herr Angst! Wie geht es Ihnen heute?

27 12 2008

„Angst ist ein menschliches Grundgefühl (neben Trauer, Wut, Scham, Liebe und Freude), welches sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein.“

(http://de.wikipedia.org/wiki/Angst)

Das steht in Wikipedia über Angst. Ich will schon lange einen Beitrag darüber schreiben, da ich Angst vor 5 Jahren persönlich kennengelernt habe. Am Anfang waren wir die größten Feinde, aber mit der Zeit sind wir zu den besten Freunden geworden. Unter Angst ist hier nicht die Angst vor Hunde, vor Schmerz, vor Feuer gemeint, sondern ein Gefühl, das aus dem Nichts kommt und genau so verschwindet. Herr Angst ist wirklich sehr launisch. Wenn es ihm danach ist, erscheint er in unserem Leben und versetzt uns in Panik. Wenn er sich langweilt, klopft er an der Tür um nachzuschauen, was auf ihn da wartet…als ein uneingeladener Gast kommt er einfach rein und fragt nicht mal was er darf und was nicht, weil er eben alles darf oder zumindest das, was wir ihn erlauben (darauf muss man nur kommen).

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Am Anfang wollte ich ihn schnell wie möglich loswerden, wie man gewöhnlich mit Gästen macht, die nicht willkommen sind. Mit der Zeit habe ich aber festgestellt, dass ihn genau das reizt und ich bin freundlicher zu ihm geworden. Meine Tür war immer offen für ihn und auf dem Tisch stand immer etwas Süßes und Warmes für den „lieben“ Herr. Das hat ihn offensichtlich gelangweilt und er ist immer seltener vorbeigekommen. Mittlerweile weiß ich gar nicht wo er sich rumtreibt. Manchmal denke ich an ihn, aber immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er kommt aber nicht. Bestimmt kommt er eines Tages wieder vorbei und die Kekse warten auf ihn – auf dem schön dekorierten Tisch neben die Tür.

Wieso ich so nett zu ihm bin? Man sagt ja, dass der Schritt zwischen Hass und Liebe ein ganz kleiner ist und das stimmt, da wir Menschen als gute Wesen geboren wurden. Die Gesellschaft, die Umstände machen uns so wie wir sind. Gut oder böse. Aber jeder kann zum seinen natürlichen Zustand zurückkehren, da wir von Natur aus gut sind… oder zumindest will ich daran glauben.

Haben wir keine Angst vor der Angst, da wir dann in einen Teufelskreis geraten, in eine sich immer wieder drehende Karosserie, aus der man sehr schwer aussteigen kann. Herr Angst kommt nicht zufällig. Er will uns mit seiner Anwesenheit etwas sagen. Wir müssen einfach darüber nachdenken und gut zuhören. Die Antwort liegt vor unseren Augen, aber meistens sind wir nicht bereit sie zu sehen und uns mit ihr zu konfrontieren.


Bildquelle: http://svenja.bovens.at


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8 Antworten

2 01 2009
Moataz

Die Angst (sowie die anderen negativen Gefühle) ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum wir als Menschen immer noch lebendig sind, da solche negative Gefühle wie eine Warnsystem vor den schlimmen Sachen sind. Das heißt im Prinzip nach meiner Meinung, dass die guten Gefühle wie Glück und Sicherheit einfach einen Preis sind, wenn etwas gut ist, aber sie tragen nicht viel wie die negativen Gefühle bei. Also ich bin selber sehr dankbar, dass es Angst gibt, die man als positive Energie umwandeln kann, z.b. Bestehen einer Prüfung *winks*

10 01 2009
Micha

ich finde es spannend, dass du nicht sagst, keine angst zu haben. auch du hast sie … immer mal wieder.
@Moataz – prinzipiell würde ich dir zustimmen. doch sollten wir unterscheiden zwischen angst und furcht. furcht vor etwas haben ist, da stimme ich zu, (über-) lebenswichtig. wir brauchen diese furcht, wovor auch immer, als warnsystem. und es ist uns gegeben, meine ich, um manchmal „gut“ von „böse“ zu unterscheiden.
doch zurück zur angst und Mia. ich möchte die frage stellen – wie war dein weg dahin, jenes tischchen mit süßem hinzustellen?
und am rande vielleicht noch ein anstoß zum thema „der mensch ist von grundauf…“ — was ist er denn nun? gut oder böse? wie ist deine these, Mia, begründet, wenn doch der mensch als solcher immer zuerst auf sich schaut und klären muss, ob er in der jeweiligen lebenssituation nicht zu kurz kommt?

10 01 2009
Mia

@Micha
Der Weg war lang und schwierig, wenn ich es so verallgemeinern kann. Zuerst kam die Panik, die unüberwindbare Panik, aus der man unbedingt flüchten will. Doch eines Tages stellt man fest, dass je mehr man davon wegläuft, desto öfter kommt sie. Also musste einen anderen Weg geben, sie loszuwerden und der habe ich für mich persönlich durch Konfrontation gefunden. Ich habe mich mit ihr angefreundet. Wenn sie kam, dachte ich mir… ach du schon wieder. Ich wusste aber, dass alles irrational ist, dass ich davon nicht sterben kann, dass ich diejenige bin, die alles „kontrollieren“ kann. Wenn der Körper zittert und einem ganz schwindelig wird, wenn das Herz rast und man nicht klar denken kann, dann ist echt schwer, das alles „abzuschalten“. In so einem Moment denkt man sogar „Ok, es kann sein, dass ich auch sterbe… und wenn schon. Alles was mich nich umbringt, macht mich stärker“ Und erst jetzt habe ich die Bedeutung dieses Satzes verstanden… was mich nicht umbringt, macht mich stärker.
Also war der Weg ziemlich steil und in verschiedenen Phasen aufgeteilt. Mal ging es, mal nicht, bis man es lernt. Ich habe mir eine Liste mit 10 goldenen Regeln aufgestellt, die dabei echt viel geholfen hat, obwohl sich das jetzt ziemlich willkürlich anhört. Aber in so einem Moment der Verzweiflung, macht man alles mit, um seine Ängste zu bekämpfen. Man wird stärker! Durch die Angst, habe ich viel über mich selber erfahren. Meine ganze Welt wurde auf dem Kopf gestellt und dann macht man so eine Art Billanz seiner Existenz, seines Lebens. Man sieht Dinge, denen man davor keine Beachtung geschenkt hat, das Denken stellt sich um, alles ist viel intensiver, stärker und mehr oder minder „wahrer“ geworden.
Was Gut oder Böse ist, ist wirklich sehr relativ und personenabhängig. Was für mich Böse ist, kann für Dich gut sein und umgekehrt. Aber ich denke, dass wir als reine Wesen zur Welt kommen. Wenn Du Dich auf der Straße umschaust, siehst du oft Leute, die Hass, Trauer, Geiz in sich tragen und das ist so deutlich auf ihren Gesichtern abgebildet. Ich habe aber noch nie ein Baby gesehen, dass „böse“ aussah… Ja klar, kann man als Gegenbeispiel sagen – Babys sind aufgrund ihrer kognitiven Entwicklung noch nicht zustande so tiefe Gefühle zu empfinden und sie durch ihre Körpersprache zu zeigen.
Und um alles abzuschließen, will ich noch einmal darauf hinweisen, dass es mir hier nicht um dir Furcht, also um die rationale Angst ging, sondern um die irrationale, grundlose Angst. Wenn man sie nicht kennt, ist es ein wenig schwer sich etas darunter vorzustellen. Man kann sich schwer etwas vorstellen, dass auf Nichts beruht. Viele haben mich gefragt: „Aber warum? Du sitzt doch gemütlich zu Hause, befindest dich in einer vertrauten und stressfreien Umgebung bzw. SItuation. Wo bzw. wer ist der Auslöser für diese Angst? Wovor hast du eigentlich Angst?“ Dann stehst du ziemlich dumm da und kommst dir sehr albern und sogar verwöhnt vor… versuchst es zu erklären, was nicht immer gelingt :-) . Diese Angst kann ich immer noch schwer erklären, aber die gibt es. Nicht nur, dass es sie gibt, sondern jeder 3 Mensch auf dieser Welt leidet darunter und jeder 2 Mensch kennt sie (leider kann ich dazu keine statistische Daten preisgeben, aber irgendwo habe ich es gelesen :-)

10 01 2009
Mia

Ach ja, beinah hätte ich es vergessen:
@ Micha: Ich freue mich, Dich wieder hier zu „sehen“ ;-)

14 01 2009
Manuel

Liebe Mia,

dieser Blog ist einfach nur klasse und sehr hilfreich!!! Weiter so!

LG
Manu

14 01 2009
Mia

Danke Manu ;-)

24 01 2009
Micha

…dem möchte ich mich sehr gern anschließen… und für mich trifft ein geflügeltes wort in diesem fall sehr zu:
stille wasser sind tief.
doch dass sie tief sind heißt glücklicherweise nicht, dass kein leben in der tiefe herrscht :-)

26 01 2009
Mia

Micha?! Kennst du mich etwa?

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