Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation

5 03 2009

es tut nicht weh

Wie weit kann man gehen? Ist es gut Gefühle zu zeigen… oder besser gesagt, wieviel davon ist es ‘angemessen’ zu zeigen. Man hört ja oft: Ach die Südländer. Sie sind so warmherzig, temperamentvoll, sprechen laut, lachen bis sie Tränen in den Augen bekommen, küssen dich 2-3 mal beim Begrüßen und genauso viel beim Abschiednehmen, klopfen dir mehrmals kräftig auf die Schulter (aua, tat das weh). Nie habe ich aber daran gedacht (nie mehr als paar Minuten), dass alle diese Körpersignale so unterschiedlich verstanden und interpretiert werden können. Mal wirken sie verwirrend, mal angenehm oder sogar abschreckend. Wo liegt aber die Grenze? Nach so vielen Jahren in denen ich mich mit der Forschung der menschlichen Kommunikation beschäftigt habe, begrefe ich erst jetzt wirklich, dass Kommunikation nicht gleich Kommunikation ist. Das Gesagte entspricht nicht dem Gemeinten und weit nicht dem Verstandenen.

Recht schwierig wird es bei der Körpersprache. Dort kann man ohne Ende interpretieren…. aber ist das überhaupt nötig? Haben wir uns so sehr von uns als Menschen entfremdet, dass wir hinter jedem Lächeln Neid vermuten, hinter jeder Umarmung sexuelle Anziehung sehen und jedes Signal, das wir aus unserem Gegenüber bekommen, interpretieren müssen. Wieso nehmen wir es nicht einfach so, in seiner reinen Form, wie es eben ist… ohne Hintergedanken, eigentlich ohne gar nicht daran zu denken ‘Was hätte das jetzt bedeuten sollen?’ Es bedeutet eben das, was es ist. Oder leben wir doch in einem Puppentheater, wo alles nachgestellt ist und wir uns so benehmen, wie wir es tun, nur weil es so angemessen ist, weil es der allgemeinen Erwartungen und der gesellschaftlichen Normen entspricht?

Es hört sich komisch an, aber manchmal brauche ich sogar angeschrien werden, diese Wut spüren, die auf mich zukommt… das ist ein klares Zeichen, das ich nicht zu interpretieren brauche, sondern weiß, dass ich die Bremse ziehen soll oder fang eben an zurückzuschreien :)    (das endet in den meisten Fällen mit einer herzlichen Umarmung und noch ein Glas Wein).

Wenn man Liebe spürt (und damit ist jede Art von Liebe gemeint – zur Familie, Freunde, Partner etc.), soll man sie etwa nicht zeigen? Ist das ein Zeichen der Schwäche oder wird man dadurch verletzbar? Heißt cool-Sein keine Gefühle empfinden? Ist das etwa mutig?

Mutig ist weinen zu können, bis man von Tränen keine Luft mehr bekommt, mutig ist lachen zu können, bis man Bauchkrämpfe spürt, mutig ist lieben zu können, bis es weh tut, mutig ist fühlen zu können, bis es gleichzeitig warm und kalt wird…. das ist für mich mutig… oder bin ich etwa im falschen Film und verstehe die Welt nicht mehr. Wenn es so ist, bitte ich um Verzeihung und bereue es ein wenig, dass ich genau jetzt und hier geboren bin, wo cool bleiben mutig ist, wo jeder versucht alles unter Kontrolle zu haben und sich nie schwach zeigen…Um Gottes willen… wir wollen doch alle perfekt sein (die Ironie kann ich mit der Schrift nicht richtig hervorbringen). Alle, die nach Vollkommenheit streben sind leider seelisch gestorben, da sie ihre Träume aufgegeben haben … und was kann trauriger als das sein? Das Vollkommene reizt uns nicht mehr, regt uns nicht an. Es fehlt ihm das Unvollkommene (so was Ähnliches hat Wilde auch über Vollkommenheit in der Kunst gesagt).

Und hier fällt mir einen Spruch ein für all die, die trotzdem nach der Perfektion suchen (passt ja auch super zum Bild)… dreht bitte nur die Richtung… es ist so einfach! Jemand hat gesagt (weiß nicht mehr wer), dass wir alle Engel auf Erden sind, Engel mit nur einem Flügel. Um fliegen zu können, müssen wir uns nur umarmen.